Chronik von Rühme

Erste urkundliche Erwähnung im Jahr 1007

Die urkundlich nachweisbare Geschichte zu Rühme beginnt Anfang des 11. Jahrhunderts. Der Graf Altmann von Oelsburg, mit dem Stammsitz Steterburg, heute ein Stadtteil von Salzgitter, blieb ohne männlichen Erben. Er verfügte, daß im Vorhof seiner Burganlage ein Jungfrauenstift gegründet werden sollte. Seine Gemahlin Hathewig und Tochter Frederunda gründeten um das Jahr 1000 ein Kanonissenstift. Die verwitweteTochter des Grafen, Frederunda, überschrieb dem Kanonissenstift ihr gesamtes Erbe. Hierzu gehörten sehr viele Dörfer, Wohnflecken und Landbesitz in der lokalen Region. Auch das heutige Rühme mit seiner Feldmark gehörte dazu.

In dem Steterburger Kopialbuch wird am 24.01.1007 das Dorf Rühme unter dem Namen Riudum erstmalig erwähnt und dem neu gegründeten Steterburger Kanonissenstift verpflichtet. Diese Urkunde ist im Original nicht auffindbar. Vorhanden ist eine Abschrift dieser Urkunde in dem Steterburger Kopialbuch aus dem 14.Jahrhundert. Die Urkunde wurde von König Heinrich II. später Kaiser Heinrich II. bestätigt. Nochmals bestätigt wird die Nennung der aufgeführten Dörfer, Wohnflecken und der Landbesitz durch die Gründungsurkunde für die St.Magni-Kirche im Jahr 1031.

Später sind auch Namen wie Riudun, Rudern oder Riedheim zu finden, welches so viel wie Siedlung im Schilf bedeutet. Gemeint ist das Schilf der Schunter, an deren Ufern die Siedlung lag. Im Jahre 1031 taucht der Name der Siedlung Riudun wieder in einer Urkunde auf. In diesem Jahr wird die Altewiek (Magnisiedlung?) auf der Ostseite der Oker zum ersten Male urkundlich erwähnt. In der Stiftungsurkunde ernannte der Bischof Branthago von Halberstadt, die neu gegründete St. Magnikirche zur Pfarrkirche für die Villa Brunesguik und siebzehn ihr benachbarte Ortschaften. Elf dieser Siedlungen mit ihren Filialkirchen sind untergegangen, sechs sind noch vorhanden, es sind die heutigen Ortschaften Veltheim, Wenden, Bienrode, Rühme, Gliesmarode und Rautheim.

Nach mehr als 300 Jahren erscheint erneut Rühme im Jahr 1390 in einer Urkunde über den Bau der Landwehr. Bereits um 1384 beschloss die Stadt Braunschweig, sein ganzes städtisches Gebiet durch Landwehren zu befestigen. In der Rühmer Feldmark galt es auch die Handels- und Heerstraße nach Hamburg, über Gifhorn, zu schützen und zu kontrollieren. Diese Wehr sollte aus mehreren Erdwällen und zwei tiefen Gräben bestehen. Eine zusätzliche Befestigung mit Palisaden ist im Rühmer Gebiet nicht bekannt. Die Anwesen und die Bewohner innerhalb der Landwehr, unterlagen dem städtischen Recht und der städtischen Steuer- und Zollverwaltung. Dort, wo die Handels- und Heerstraßen diese Landwehr durchschnitten, wurden Wehrtürme und später Zollschranken errichtet. Der bekannte Wendenturm wurde Ende des 14. Jahrhunderts erbaut. Er wurde als Quartier und Signalturm verwendet. Später wurde hier ein Wirtshaus eingerichtet. Der Warthturm wurde im 18.Jahrhundert wegen Baufälligkeit abgerissen. Der genaue Standort ist unbekannt.

Das gleichnamige Gasthaus wurde erst 1777 errichtet und wird heute noch nach einigen Umbauten als Gasthaus genutzt. Auf der anderen Straßenseite befand sich das Zollhaus, eine Schmiede und eine Stellmacherei. Quer über die Straße ging die Zollschranke. An diesem befestigten Hauptzugang zur Stadt wurde den Reisenden und den Kaufleuten Zoll für ihre Waren erhoben. Die militärische Bedeutung der Landwehr veränderte sich schnell in eine wirtschaftliche Bedeutung.

Von Veltenhof zog sich die Landwehr in nordöstlicher Richtung zum Wendenturm und schloss das Dorf Rühme an der Schunter ein. Von hier bildete die Schunter bis zur Einmündung der Wabe die Landwehr. Rühme lag also innerhalb der Befestigung durch die Landwehr, aber außerhalb der Grenzpfähle der Stadt, deshalb nannte man diese Dörfer, wie Rüningen, Lehndorf, Ölper und Rühme, Pfahldörfer. Die Bewohner der Pfahldörfern, die sognannten Pfahlbürger, hatten durch die Landwehr noch besondere Vorteile. Sie besaßen das Bürgerrecht der Stadt Braunschweig und wurden durch die Stadt beschützt. Ihre Lage im Grenzgebiet der Stadt legte ihnen jedoch nicht alle Bürgerpflichten auf.

Reste der Landwehr finden sich an mehreren Stellen in der Feldmark. So im Garten der Gaststätte Wendenturm, auf dem Schulhof der Grundschule Rühme und an dem Ostufer der Oker.

 

 

Auszug aus dem Steterburger Kopialbuch
Wendenturm bei Braunschweig
 

 

  Chronik 1500 - 1800